MAN reaktiviert polnische Truck-Marke

Artikel vom 9. September 2026
Lastwagen über 7,5 t

MAN Truck & Bus, RMMV und WB Group bündeln ihre Kompetenzen für militärische Mobilitätslösungen in Europa. In Polen wird zudem die Marke »STAR« reaktiviert: Künftig sollen dort Logistik- und Unterstützungsfahrzeuge für Streitkräfte, Feuerwehren und Rettungsdienste angeboten werden.

In Polen hat MAN die Truck-Marke »STAR« reaktiviert (Bild: MAN Truck & Bus).

MAN Truck & Bus, RMMV und die WB Group haben auf der internationalen Verteidigungsmesse MSPO in Polen eine strategische Partnerschaft vorgestellt. Die Unternehmen wollen ihre technologische, industrielle und operative Expertise bündeln, um Anforderungen europäischer Streitkräfte gezielter zu bedienen. Im Mittelpunkt stehen militärische Mobilitätslösungen, die auf bestehenden Transport- und Fahrzeugplattformen aufbauen und durch Kommunikations-, Aufklärungs- sowie unbemannte Systeme ergänzt werden.

Partnerschaft für interoperable Mobilität

Im Rahmen der »European Defence Initiative« prüfen die Partner Möglichkeiten für gemeinsame Entwicklung, Integration und Produktion von Verteidigungslösungen. Ziel ist ein skalierbares Angebot für Kunden in Europa. Ein Schwerpunkt liegt auf interoperablen Mobilitätslösungen, die sich an operativen Anforderungen der Streitkräfte orientieren.

Die geplanten Lösungen sollen die Transport- und Mobilitätsplattformen des Nutzfahrzeugherstellers und von RMMV mit den Befehls-, Kommunikations-, Aufklärungs- und unbemannten Systemen der WB Group verbinden. Gleichzeitig wollen die Partner neue Geschäfts- und Technologiechancen bewerten und ihre jeweiligen Erfahrungen in Fahrzeugtechnik, Systemintegration und Verteidigungstechnik zusammenführen. Damit soll das gemeinsame industrielle Angebot gestärkt und ein Beitrag zu europäischen Verteidigungsfähigkeiten geleistet werden.

Polnische Marke für Einsatz- und Unterstützungsfahrzeuge

Darüber hinaus wurde die Reaktivierung der polnischen Marke »STAR« für militärische Logistik- und Unterstützungsfahrzeuge bekanntgegeben. In Polen sollen künftig Fahrzeuge auf Basis von Lkw-Plattformen angeboten werden, die unter anderem von Streitkräften, dem Roten Kreuz, Rettungsdiensten und Feuerwehren genutzt werden können.

Für den militärischen Sektor öffnet sich der Hersteller gemeinsam mit seinem Joint Venture für erweiterte Partnerschaften mit Aufbauherstellern und weiteren Unternehmen. Auf der MSPO wurde dazu ein Fahrzeug auf Basis eines »MAN TGS 6×6« für militärische Logistikzwecke präsentiert. Die Wiederbelebung der Marke verbindet ein nationales Nutzfahrzeugerbe mit aktueller Fahrzeugtechnik, lokaler Verankerung und einem Servicenetz in Polen.

Die Marke wurde 1948 gegründet und prägte über Jahrzehnte zivile und militärische Logistik in Polen. Internationale Bekanntheit erlangte sie unter anderem durch einen Lkw, der 1979 als Basis für das erste von Papst Johannes Paul II. genutzte Papamobil diente. Nach der Übernahme des Lkw-Geschäfts wurden die Fahrzeuge zunehmend mit Technik des Nutzfahrzeugherstellers ausgestattet. Heute sind laut Mitteilung noch mehr als 10.000 Fahrzeuge dieser Marke im Einsatz.

Produktion und Standort Polen

Künftige Lkw sollen auf den aktuellen Baureihen »TGM« und »TGS« basieren und von Assistenzsystemen sowie Sicherheitsstandards der aktuellen Fahrzeuggeneration profitieren. Die Fahrgestelle werden im Werk Krakau gefertigt. Dort plant das Unternehmen im Rahmen eines Memorandum of Understanding mit der polnischen Regierung Investitionen von rund 1,2 Mrd. Euro. Vorgesehen sind der Ausbau der Produktionskapazitäten, die Vorbereitung der nächsten Fahrzeuggeneration und eine stärkere lokale Wertschöpfung.

Polen zählt seit mehr als 30 Jahren zu den wichtigen Märkten und Produktionsstandorten des Unternehmens in Europa. Aktuell beschäftigt es dort rund 7.000 Mitarbeitende. Neben den Produktionsstandorten in Krakau für Lkw und Starachowice für Busse betreibt es ein Modification Center in Sady; zudem wird der »TGE« in Poznań produziert. 2025 wurden rund 9.000 Fahrzeuge in Polen ausgeliefert, unterstützt durch fast 40 Vertriebs- und Servicestandorte. Das Lkw-Werk Krakau wird derzeit zu einer Vollproduktionsstätte ausgebaut. Die Produktionsfläche soll von rund 130.000 auf 270.000 m² wachsen. Künftig soll der Standort bis zu 300 Fahrzeuge und Fahrerhäuser pro Tag produzieren können, einschließlich Elektrofahrzeugen.

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