TÜV-Report: Jedes fünfte Nutzfahrzeug fällt bei der HU durch
Leichtlastwagen unter 7,5 t
Der TÜV-Verband zeigt im »TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026«: 20,3 % der geprüften Nutzfahrzeuge fielen mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln durch die HU. Häufige Ursachen sind Ölverlust, Beleuchtungsmängel und Probleme an Achsaufhängungen.

Die Mängelquote bei Nutzfahrzeugen verharrt laut dem TÜV auf hohem Niveau (Bild: Pixabay/hansbenn).
Gut jedes fünfte Nutzfahrzeug ist in den vergangenen zwei Jahren bei der Hauptuntersuchung mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln durchgefallen. Die Mängelquote liegt bei 20,3 % und damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Grundlage sind rund 2,4 Mio. Hauptuntersuchungen von leichten Transportern bis zu schweren Lkw, die in den Jahren 2024 und 2025 ausgewertet wurden.
Besonders häufig beanstandeten die Sachverständigen Defekte an der Beleuchtung, Ölfeuchte oder Ölverlust an Motor und Antrieb sowie Mängel an Achsaufhängungen. Diese Punkte betreffen nicht nur die Betriebssicherheit, sondern auch Umwelt- und Verkehrssicherheitsaspekte. Austretendes Öl belastet die Umwelt und kann bei einem Unfall brandbeschleunigend wirken. Beleuchtungsmängel erhöhen das Risiko, dass Fahrzeuge im Verkehr zu spät erkannt werden. Schäden an der Achsaufhängung können zudem die Fahrstabilität beeinträchtigen.
Mängelquote steigt mit Alter und Gewicht
Schwere Lkw über 18 t weisen mit 21,8 % die höchste Mängelquote der untersuchten Gewichtsklassen auf. Bei zehn Jahre alten Fahrzeugen dieser Klasse erreicht sie 28,5 %. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes liegt das Durchschnittsalter von Nutzfahrzeugen aktuell bei 8,9 Jahren und damit ein Jahr höher als vor zehn Jahren. Längere Nutzungszeiten machen Wartung und Instandhaltung entsprechend wichtiger.
Leichte Transporter bis 3,5 t liegen mit 21,5 % ebenfalls über dem Durchschnitt. Sie werden im Lieferverkehr und in Handwerksbetrieben oft intensiv genutzt, was sich im Verschleiß zeigt. Nutzfahrzeuge von 3,5 bis 7,5 t erreichen eine Mängelquote von 19,8 %. Mittelschwere Lkw zwischen 7,5 und 18 t schneiden mit 16,3 % besser ab. Als ein Grund wird genannt, dass diese Fahrzeuge häufig im Zulieferverkehr eingesetzt werden, regelmäßig in Depots zurückkehren und oft feste Fahrer haben.
Elektro-Transporter zeigen unterschiedliche Ergebnisse
Erstmals sind drei Elektro-Transporter in der Klasse bis 3,5 t im Report vertreten. Der Peugeot »E-Expert« erreicht bei den 1 bis 2 Jahre alten Fahrzeugen mit 8,4 % Mängelquote Rang fünf. Der Mercedes »E-Vito« kommt in derselben Altersklasse auf 19,7 %. Auffällig sind hier Mängel an Feststellbremse, Antriebswellen und Abblendlicht. Bei den 3 bis 4 Jahre alten Fahrzeugen liegt der »Streetscooter« B14/B16 mit 26,4 % am Ende der Auswertung. Dort ziehen sich hohe Mängelwerte durch Bremsen, Fahrwerk und Licht.
Mit dem Maxus »Deliver 9« wurde erstmals ein Transporter eines chinesischen Herstellers berücksichtigt. In der Altersklasse von 1 bis 2 Jahren fiel gut jeder dritte geprüfte Transporter dieses Modells durch die HU. Besonders relevant sind dabei überdurchschnittlich häufige Mängel an der Bremsanlage. Auch Beanstandungen bei der Abgasuntersuchung lagen über dem Schnitt; der größte Teil der Mängel entfiel jedoch auf die Beleuchtung. Das Fahrwerk blieb bei der HU unauffällig.
Antriebswende und digitale Prüfung
Der Nutzfahrzeugbestand in Deutschland ist zum 1. Januar 2026 laut KBA leicht auf 3,9 Mio. Fahrzeuge gestiegen. Seit 2017 entspricht das einem Plus von 34 &. Das Wachstum geht vor allem auf leichte Nutzfahrzeuge zurück, aber auch mittlere und schwere Lkw über 7,5 t legten zu. Bei den Neuzulassungen von Januar bis Juli 2026 lag der Anteil reiner Elektrofahrzeuge bei 13 Prozent, nach 8,7 % im Vorjahreszeitraum.
Für einen schnelleren Umstieg werden höhere Anschaffungspreise und der Ausbau der Ladeinfrastruktur als zentrale Hürden genannt. Ein Förderprogramm des Verkehrsministeriums soll Fuhrparkdepots und Megawatt-Lader an Raststätten unterstützen. Gleichzeitig verweist die Mitteilung auf offene Fragen bei Gewichts- und Achslastvorgaben für schwere Elektro-Lkw, da Batterien das Fahrzeuggewicht erhöhen.
Mit Elektrifizierung, Software-Updates und Assistenzsystemen verändert sich auch die Hauptuntersuchung. Genannt werden ein erweiterter Prüfumfang für Antriebsbatterien, der Zugang zu Batteriedaten sowie die Prüfung von Assistenzfunktionen und Softwareständen über den Lebenszyklus eines Fahrzeugs. Das Roadworthiness Package der EU wird als Möglichkeit beschrieben, die HU an Elektroantriebe, Software-Steuerungen und automatisierte Fahrfunktionen anzupassen.



