China-Joint-Venture für emissionsfreie Nutzfahrzeuge

Artikel vom 23. September 2026
Lastwagen über 7,5 t

QUANTRON und HyperView vereinbaren ein Joint Venture in Shaoxing. Mit Foxconn als Fertigungspartner sollen batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Nutzfahrzeuge skaliert werden; »Gen2« ist für 2027 angekündigt, erste Fahrzeuge für Europa bis Ende 2026.

Andreas Haller und Dr. Feilong Liu: Andreas Haller, CEO der Haller Group und Gründer von QUANTRON, und Dr. Feilong Liu, Gründer und CEO von HyperView. (Bild: QUANTRON)

Das von Quantron und HyperView vereinbarte Joint Venture in Shaoxing soll als chinesisch-europäische Technologie- und Industrieplattform für emissionsfreie Nutzfahrzeuge aufgebaut werden. Die Partner verbinden deutsche Engineering- und Qualitätsanforderungen, Fahrzeug-Integration und internationalen Marktzugang mit Kompetenzen in autonomem Fahren, intelligenten Fahrzeugsystemen und industrieller Skalierung in China. Foxconn soll als Fertigungspartner Kapazitäten für Lkw- und Busplattformen bereitstellen. Der chinesische Markt ist dabei zugleich Zielmarkt und industrielle Basis für die internationale Expansion.

Plattform für Batterie- und Wasserstoffantriebe

Im Zentrum der Zusammenarbeit steht die »Gen2«-Nutzfahrzeugplattform für batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Lkw und Busse. Vorgesehen sind eine neue Kabinengeneration, weiterentwickelte Aerodynamik, intelligente Konnektivität, digitale Flottenfunktionen und technische Grundlagen für künftige Funktionen des autonomen Fahrens. Die erste öffentliche Präsentation eines Fahrzeugs auf dieser Basis ist für das erste Halbjahr 2027 geplant.

Beide Partner bringen Erfahrungen aus bereits ausgelieferten emissionsfreien Fahrzeugen ein. HyperView verweist auf eine hohe dreistellige Anzahl wasserstoffbetriebener Nutzfahrzeuge, vor allem in China, sowie erste Einsätze in Saudi-Arabien. Die deutsche Seite nennt ebenfalls eine dreistellige Anzahl emissionsfreier Fahrzeuge und Systeme sowie Kundenprojekte in Europa und im Nahen Osten. Auch ein wasserstoffbetriebenes Fahrzeug in Brasilien wurde gemeinsam mit einem lokalen Partner ausgeliefert.

Autonomous HyperView Truck: autonomer Lkw von HyperView. (Bild: QUANTRON)

Validierungsflotte und Fertigung

Noch vor der öffentlichen Präsentation der neuen Fahrzeuggeneration sollen bis Ende 2026 die ersten 100 Fahrzeuge bei europäischen Kunden in Betrieb gehen. Sie dienen unter realen Einsatzbedingungen als technologische Brücke und Validierungsflotte. Betriebsdaten, Kundenfeedback, Energieverbrauch, Verfügbarkeit und Erkenntnisse zur Leistungsfähigkeit sollen in die abschließende Entwicklung der Plattform einfließen.

Für die Fertigung bringt Foxconn industrielle Kompetenzen für Lkw- und Busplattformen ein. Geplant ist eine Verbindung aus Engineering-Anforderungen, internationaler SKD-Fertigung, industrialisierter Lieferkette und wettbewerbsfähigen Produktionskosten. Damit soll die Plattform sowohl den chinesischen Heimatmarkt bedienen als auch für internationale Märkte nutzbar werden.

Service-Modell und Marktumfeld

Ein weiterer Baustein ist »Quantron-as-a-Service«. Das Modell kombiniert Fahrzeuge mit Finanzierung, Service, Wartung, Verfügbarkeitsgarantie, digitalem Flottenmanagement und, abhängig von Markt und Anwendung, Energielösungen. Es soll hohe Anfangsinvestitionen beim Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge reduzieren und planbare Betriebskosten ermöglichen. Laut Mitteilung garantiert der Anbieter für das Service-Angebot niedrigere Total Cost of Ownership als bei einem vergleichbaren Dieselfahrzeug.

Der industrielle Aufbau fällt in eine Phase, in der die EU die CO₂-Vorgaben für schwere Nutzfahrzeuge verschärft. Gegenüber den geltenden Referenzwerten sollen die durchschnittlichen Emissionen neuer schwerer Nutzfahrzeuge ab 2030 um 45 %, ab 2035 um 65 % und ab 2040 um 90 % sinken. Die Partner sehen darin ein relevantes Marktpotenzial für emissionsfreien Transport. Langfristig soll in Shaoxing ein Zentrum für emissionsfreie Nutzfahrzeugmobilität, intelligente Fahrzeugtechnologien und Lösungen für autonomen Transport entstehen. Das geplante Ökosystem soll in den kommenden zehn Jahren weltweit mehr als 100.000 emissionsfreie Nutzfahrzeuge unterstützen können.

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