Biodynamische Landwirtschaft: Ansätze gegen Dürrefolgen

Artikel vom 2. September 2026
Pflege des Straßenbegleitgrüns

Das Goetheanum zeigt, wie biodynamische Landwirtschaft Dürrefolgen abmildern kann: mit Humusaufbau, Schatten durch Bäume, diversifizierten Betrieben und Regenwassermanagement. Beispiele aus der Schweiz und ein Projekt in Afrika geben Einblick.

Stark ausgetrocknetes Getreidefeld in der Region Neuenburg, Schweiz (Bild: Gaudenz Hurter).

Dürre setzt die Landwirtschaft weltweit unter Druck. Hitzewellen und ausbleibende Niederschläge trocknen Böden aus und gefährden Kulturen. Biodynamische Landwirtschaft kann diese Rahmenbedingungen nicht kurzfristig ändern, bringt aber Erfahrungen mit, um Folgen von Trockenheit präventiv zu mindern. Dazu zählen Schattenbildung, Humusaufbau, Wasserspeicherung im Boden sowie die Stärkung der Resilienz von Pflanzen und Tieren.

»Aus Erfahrung und wissenschaftlichen Studien wissen wir, dass Agrarökologie, ökologischer Landbau und biodynamische Landwirtschaft dazu beitragen können, die Auswirkungen extremer Wetterereignisse abzumildern«, sagt Martin Quantin, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum. Als Grundmaßnahme nennt der Agraringenieur die Diversifizierung landwirtschaftlicher Systeme. Gemeint ist die Kombination von Ackerbau, Tierhaltung, Obstbau und Gemüsebau mit naturnahen Elementen wie Hecken, Wiesen, Teichen und Feldgehölzen.

Bäume verbessern Mikroklima und Wasserspeicherung

Quantin verdeutlicht den Ansatz am Beispiel von Bäumen: »Bäume spenden empfindlichen Kulturen und Nutztieren Schatten und mindern die austrocknende Wirkung des Windes. Baumwurzeln erschließen unterschiedliche Bodenschichten und verbessern so die Wasserspeicherung und die Stabilität des Bodens.« Damit rückt neben dem Mikroklima auch die Bodenstruktur in den Fokus.

Ein weiterer Faktor ist die Humusbildung. Durch sie entstehen stabile Bodenaggregate, die Erosion entgegenwirken. Zugleich bildet sich ein poröses Gefüge, das Wasser speichern und im Boden verteilen kann. Biologisch aktiver Humus unterstützt zudem Böden mit einer reichen Mikroorganismenwelt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen laut Mitteilung, dass biodynamische Bewirtschaftung Widerstandskraft und Vitalität der Böden stärke, besonders in schwierigen Jahren, und damit eine Grundlage für widerstandsfähige Kulturen schaffe.

Praxisbeispiel aus der Schweiz

Ein Beispiel ist der biodynamische Katzhof im luzernischen Richenthal. Dort stehen Wasserspeicherung, Vielfalt, lebendige Böden und Regenwasser-Speicherbecken im Mittelpunkt. Das gesammelte Regenwasser wird in Trockenperioden für Gemüsebau und Baumkulturen genutzt. Betriebsleiter Markus Schwegler berichtet von guten Erfahrungen, weist aber auch auf Grenzen hin: »Das beste Wassermanagement hilft nichts, wenn das Wasser fehlt. Wir brauchen Regen.«

Projekt zu Agroforstwirtschaft bis 2030

Die Sektion für Landwirtschaft bereitet derzeit das Projekt »Biodynamics meets Agroforestry« vor. Bis 2030 soll evaluiert werden, welchen Beitrag eine baumbasierte biodynamische Landwirtschaft in der kleinbäuerlichen Subsistenzwirtschaft zu Klimaresilienz, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Ernährungssicherheit, Einkommen und Lebensqualität leisten kann. Das Projekt umfasst zunächst Partnerinstitutionen in Ägypten und Kenia. Die Co-Leitung liegt bei der Doktorandin Fatma Abosamra für Ägypten und Gaudenz Hurter für Kenia sowie weitere Partner in Afrika und Europa.

Quantin betont, dass die Verantwortung für diesen Wandel nicht allein bei den Landwirtinnen und Landwirten liege. Forschung, Bildung, Politik, Wirtschaft, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Gesamtgesellschaft seien ebenso gefragt, eine resiliente Agrarökologie zu entwickeln, die auch unter unsicheren Bedingungen die Produktion gesunder Lebensmittel ermöglicht.

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