E-Lkw im Fernverkehr mit bis zu 720 km

Artikel vom 3. November 2026
Lastwagen über 7,5 t

MAN Truck & Bus sieht elektrische Lkw für den Markthochlauf bereit. Der »MAN eTGX« soll bis zu 720 km ohne Zwischenladen schaffen und per Megawatt-Charging-System in rund 30 min laden. Entscheidend bleiben Ladeinfrastruktur, Netze und Förderung.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (links) am Steuer des neuen MAN-eTrucks. Alexander Vlaskamp (rechts), Vorsitzender des Vorstands von MAN, erklärte ihm die Technik des Elektro-Lkw. (Bild: MAN)

Elektrische Lkw sind bei MAN Truck & Bus seit mehr als einem Jahr in Serienproduktion. Beim Besuch des Bundesverkehrsministers in München stand daher weniger die technische Machbarkeit im Vordergrund, sondern die Frage, wie der Markthochlauf im Alltag schneller gelingen kann. Der Hersteller verweist auf mehr als 60 Mio. km, die elektrische Lkw bereits im Kundeneinsatz zurückgelegt haben. Im Mittelpunkt der Präsentation stand der »MAN eTGX«, der zuvor auf der IAA Transportation 2026 vorgestellt worden war.

Nach Produktpräsentation und Testfahrt ging es vor allem um die nächsten Schritte für batterieelektrische schwere Nutzfahrzeuge. Die Botschaft: Die Fahrzeuge sind für Baustelle, Verteilerverkehr und Fernverkehr einsatzbereit. Damit Transportunternehmen sie breiter nutzen können, müssen Ladeinfrastruktur, Stromnetze, Finanzierung und verlässliche politische Rahmenbedingungen nachziehen. Begrüßt wird der Start eines deutschlandweiten Lkw-Schnellladenetzes. Entscheidend sei nun eine zügige Umsetzung, damit Unternehmen ihre Flotten mit ausreichender Planungssicherheit umstellen können.

Ladepunkte und Stromanschlüsse als Engpass

Für den Betrieb elektrischer Lkw reicht der Ausbau öffentlicher Schnellladepunkte allein nicht aus. Ein großer Teil der Fahrzeuge wird nach Angaben aus dem Material an Logistikzentren und Speditionsstandorten geladen. Dort brauchen Unternehmen entsprechend leistungsfähige Stromanschlüsse. Der Netzausbau soll deshalb die Anforderungen des Güterverkehrs stärker berücksichtigen.

Hinzu kommen Investitionen in Fahrzeuge und Depot-Ladeinfrastruktur. Besonders kleine und mittlere Transportunternehmen stehen dabei vor Finanzierungshürden. Aus dem Material geht hervor, dass passende Fördermöglichkeiten als wichtiger Hebel gesehen werden, um den Einstieg in elektrische Lkw-Flotten zu erleichtern. Auch europaweit braucht es ein engeres Zusammenspiel zwischen Klimazielen und den tatsächlichen Voraussetzungen für deren Erreichung, da der Straßengüterverkehr häufig grenzüberschreitend läuft.

Reichweite, Laden und Effizienz

Die neue Generation des fernverkehrstauglichen E-Lkw soll bis zu 720 km ohne Zwischenladen erreichen. Geladen wird über das Megawatt-Charging-System mit bis zu 750 kW. Dadurch lässt sich der Ladevorgang laut Angaben in rund 30 min erledigen und in die gesetzliche 45-Minuten-Lenkzeitpause integrieren.

Das elektrische Nutzfahrzeugportfolio des Herstellers deckt Anwendungen von zwölf bis 50 t Gesamtgewicht ab. Über ein modulares Batteriesystem lässt sich der schwere E-Lkw an verschiedene Einsatzprofile anpassen. Eine typische 4×2-Sattelzugmaschine mit sechs Batterien und 552 kWh Gesamtkapazität erreicht bis zu 660 km. Eine künftig verfügbare 6×2-Sattelzugmaschine mit sieben Batterien und 644 kWh Gesamtkapazität soll bis zu 720 km ohne Zwischenladen schaffen.

Mehr nutzbare Energie und höhere Rekuperation

Die neue Batteriegeneration bietet bei unverändertem Gewicht bis zu zehn Prozent mehr nutzbare Energie. Die Antriebsleistung steigt auf bis zu 440 kW beziehungsweise 598 PS. Gleichzeitig erhöht sich die maximale Rekuperationsleistung von 400 auf 480 kW. Auf bergigen Strecken kann so ein Teil des zusätzlichen Energiebedarfs bergauf durch anschließende Bergab-Passagen zurückgewonnen werden.

Zusammen mit einer aerodynamisch optimierten, um 120 mm nach vorne gezogenen Fahrzeugfront ergibt sich eine Effizienzsteigerung von bis zu drei % gegenüber der vorherigen Generation. Die veränderte Front soll außerdem die direkte Sicht auf andere Verkehrsteilnehmer vor und neben dem Fahrzeug verbessern.

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