Lkw-Sicherheit: Assistenzsysteme schützen Fußgänger und Radfahrer

Artikel vom 30. September 2026
Glatteisfrühwarnsysteme

Eine Untersuchung von DEKRA, Daimler Truck Unfallanalyse und VUFO zeigt: Fahrerassistenzsysteme und passive Schutztechnik können schwere Lkw-Unfälle mit ungeschützten Verkehrsteilnehmern verhindern oder die Folgen deutlich mindern.

Am DEKRA Lausitzring werden unter anderem Lkw-Sicherheitssysteme getestet. (Bild: DEKRA)

Ungeschützte Verkehrsteilnehmer sind bei Kollisionen mit Lkw besonders gefährdet. Eine gemeinsame Untersuchung von Daimler Truck Unfallanalyse, Verkehrsunfallforschung an der TU Dresden GmbH und der Unfallforschung einer Sachverständigenorganisation zeigt, welches Schutzpotenzial moderne Assistenz- und Sicherheitssysteme bieten können.

Für das Projekt wurden 75 Unfälle aus den Jahren 2015 bis 2024 ausgewertet. In allen Fällen war ein Lkw der ECE-Klasse N2 oder N3 beteiligt. Außerdem kam mindestens eine Person, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Motorrad unterwegs war, ums Leben oder wurde schwer verletzt. Die relevanten Unfalldaten wurden nach einem einheitlichen Schema bewertet. Ziel war es, den möglichen Beitrag unterschiedlicher Systeme zur Unfallvermeidung oder zur Minderung der Unfallfolgen einzuschätzen.

Direkte Sicht und Notbremsassistenten helfen Fußgängern

Bei Unfällen mit zu Fuß Gehenden spielt die direkte Sicht der Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer eine zentrale Rolle. Laut Untersuchung kann sie in 93 % der analysierten Fälle die Schwere der Unfallfolgen positiv beeinflussen. Kommt es dennoch zu einer kritischen Situation, können Anfahr-Warnsysteme in 94 % der Fälle helfen. Notbremsassistenten zeigen in den betrachteten Fußgängerunfällen sogar in allen Fällen ein Schutzpotenzial.

Auch Rundumsichtsysteme und Bremsassistenten können zur Entschärfung gefährlicher Situationen beitragen. Ergänzend können passive Sicherheitssysteme wie Radschutz oder vorderer Unterfahrschutz die Folgen eines Aufpralls reduzieren.

Schutz für Radfahrende durch Warn- und Unterfahrschutzsysteme

Bei Unfällen mit Radfahrenden ergibt sich ein ähnliches Bild. Systeme, die Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer frühzeitig warnen, haben in den ausgewerteten Szenarien einen klaren Nutzen. Die direkte Sicht zeigt in 80 Prozent der Fälle Potenzial zur Minderung der Unfallfolgen, Notbremsassistenten in 81 %.

Besonders wichtig ist, dass Radfahrende nicht überrollt werden. Hier können seitliche Unterfahrschutzsysteme und Radschutzsysteme einen wichtigen Beitrag leisten. Sie setzen nicht erst bei der Vermeidung des Unfalls an, sondern können auch die Folgen begrenzen, wenn ein Zusammenstoß nicht mehr verhindert werden kann.

Totwinkel-Systeme bei Motorradunfällen relevant

Lkw-Unfälle mit Motorrädern können vor allem durch Totwinkel-Informationssysteme positiv beeinflusst werden. Diese Systeme zeigen in 83 % der analysierten Fälle ein Potenzial, schwere oder tödliche Verletzungen zu vermeiden. Wie bei den anderen Gruppen ist es entscheidend, dass Motorradfahrende aus dem Lkw heraus rechtzeitig erkannt werden.

Obwohl Motorradunfälle häufig mit höheren Geschwindigkeiten verbunden sind, verweist die Analyse auch hier auf den Nutzen passiver Schutzsysteme. Dazu zählt der nach UNECE R61 definierte Schutz ungeschützter Verkehrsteilnehmender vor scharfen Ecken und Kanten.

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