Leasing muss einen Mehrwert bieten

Artikel vom 22. Juli 2021

Müllverbrennungs-, Biogas- oder Wertstoffsortieranlagen: Leasen können Kommunen und öffentliche Träger mittlerweile fast alles. Doch in der Praxis sind es eher Arbeitskleidung, Fahrzeuge und Maschinen für den Bauhof oder IT-Equipment. Und: Leasing muss gegenüber herkömmlicher Finanzierung einen Mehrwert bieten.

»Vor allem e-Fahrzeuge werden aktuell geleast, weil die Kommunen mit deren Restwert oder Batterieleistung noch keine Erfahrung haben«, sagt Thomas Koch. Er ist Vertriebsleiter der Nürnberger Leasing (NL),die einen Schwerpunkt auf e-Mobilien hat: von Pkw über Pedelecs bis hin zu öffentlichen Fähren, e-Bussen oder neuerdings auch e-Loks. Das bestätigt Rudolf Hollnaicher. Der Kämmerer der Stadt Göppingen mit knapp 60.000 Einwohnern: »Auch e-Pkw kaufen wir künftig vermehrt leasen, dann aber auch noch die Batterie als risikobehaftetes Teil.«

Leasing zur Risikominimierung

Leasing praktizieren Kommunen seit Jahrzehnten. Doch in den 1990er-Jahren wurde das Finanzierungsinstrument erst populär, um damit Risiken zu puffern oder eigene Prozesse in Beschaffung und Verwaltung zu verschlanken. Hollnaicher nennt die Arbeitskleidung der Stadtentwässerung als Beispiel: Der Dienstleister stellt die Kleidung, reinigt, repariert und ersetzt, der kommunale Auftraggeber überweist nur die monatliche Rate.

Typische Leasinggüter sind Fahrzeuge, die Müll entsorgen, Straßen reinigen, Schneeräumen, aber auch Schlepper, Traktoren oder Baufahrzeuge bis hin zu Feuerwehrautos, Forsttechnik oder mobilen Wohncontainern. »Der Vorteil für die Kommunenliegt in der Objektkenntnis der Finanzierer und der Variabilität der Vertragsgestaltung«, sagt Horst Fittler. Laut dem Geschäftsführer, in dessen Bundesverband Leasing 400 Finanzierer organisiert sind, kommt die öffentliche Hand auf eine Leasingquote von 2 %. Zum Vergleich: 15 % des Bruttoinlandprodukts waren 2017 per Leasing finanziert.

Hollnaicher kommt in Göppingen auf eine Quote von 5 % über all seine operativen Haushalte hinweg. Das entspreche vier Millionen Euro. Am höchsten sei die Leasingquote im Betriebshof. Seine Beispiele: »Smartphones, Tablets und andere digitale Endgeräte, um etwa auf der Straße Strafzettel auszudrucken, die im Zentralrechnerparallel erfasst werden, brauchen immer mehr Mitarbeiter auch im einfachen Dienst,« begründet der 60-Jährige den Trend. Die NL hat mit Kommunen Einzelverträge über Leasinggüter im Wert von 1000 bis 300.000 Euro. Meist sind das Fahrzeuge, schwere Maschinen und Häcksler oder Werkzeuge wie Kettensägen und Laubbläser, bei denen die Franken großes Fach- und Produktwissen haben. Andere Anbieter sind auf Büromöbel, PC, Software oder besagte Arbeitskleidung spezialisiert, die wiederum oft weiterreichende Geschäftsmodelle im Servicebereich umfassen. NL-Vertriebsleiter Koch: »Damit Leasing zum Vorteil der Kommune ist, müssen viele Parameter passen.« Der kommunale Einkäufer sei da oft überfordert, weshalb er und sein Team den Erstkontakt primär als Beratungsgespräch begreifen. Die Philosophie des Saarländers: Er müsse nicht gleich beim ersten Vorhaben den Auftrag bekommen und spiele lieber die Potenziale seines Finanzierungsinstruments und dessen Fallstricke mit seinem Gegenüber durch. Denn oft sei der klassische Kauf für die Kommune nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Zinsen günstiger. »Aber der Verantwortliche denkt beim nächsten Mal an mich, weil er mir vertraut«, so Kochs Erfahrung.

Kommunen haben Budgetprobleme

Tatsächlich hätten nahezu alle Kommunen Budgetprobleme, aus denen Leasing ein Ausweg sei. Sein Beispiel: Wer den Routinefuhrpark des Bauhofs least, weil er für dessen Vertragsgestaltung alle Parameter kennt wie Maschinenlaufzeiten, Verschleiß, etc., der gewinne Liquidität, um auf neuen Feldern mit dem eigenen Geld Neues auszuprobieren. Das könne die Biogasanlage sein, die den Grünschnitt verstromt, die Ladeinfrastruktur für e-Mobilität oder die Digitalisierung von Geschäftsbereichen, die mittelfristig den Arbeits- oder CO2-Aufwand reduzieren.

Kämmerer Hollnaicher gibt ihm recht. Ohne Strategie dahinter sei Leasing wertlos und letztlich eine »versteckte Kreditaufnahme«. In Göppingen hat der Gemeinderat bewilligt, dass die Fachbereiche Leasingverträge bis 50.000 Euro ohne Zustimmung des Gremiums abschließen dürfen. Ausgeschrieben werden müssen die Leistungen dennoch. Der Finanzbeamte prognostiziert, dass die kommunale Leasingquote unter veränderten Vorzeichen künftig deutlich steigt. Seine These: Die Kommunen vergeben immer mehr Geschäftsbereiche an Externe, die dann ihrerseits mehr Zubehör leasen. Sein klassisches Beispiel: der Reinigungsdienst. Den macht die Stadt längst nicht mehr selbst, sondern bezahlt eine Pauschale nach Quadratmetern. Und der Dienstleister kauft an Besen und Reinigungsmitteln, was er dafür benötigt und beschäftigt das Personal.

Leasingverbandsmann Fittler nimmt diesen Wandel auch unter seinen Mitgliedern wahr. Immer mehr Serviceaspekte wie Wartung, Reparatur, Versicherung oder Bereitstellung von Ersatzfahrzeugen und -maschinen bei Ausfällen hätten diese im Angebot, um Kommunen zu entlasten und damit attraktiv zu sein. Die 16 Bundesländer handhabten das Thema aber unterschiedlich. Leasing sei überall zulässig, teils gebe es aber betrags- und laufzeitmäßige Beschränkungen oder Aufsichtsbehörden müssten erst einwilligen.

Autor:
Leonhard Fromm
Freier Fachjournalist

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